Mittwoch, 15. Oktober 2014

Bericht eines beeindruckten Opas:

Wir leben jetzt seit vier Tagen in Leawood, das liegt in Kansas, ist aber nicht Kansas City, denn Kansas City liegt in Missouri, aber auch in Kansas, noch Fragen? Wenn ja, schaut einmal bei Google Maps nach. In Kansas brauchen die Autos vorne kein Nummernschild, in Missouri aber sehr wohl. Stattdessen haben die Kansas-Autos vorne manchmal ein Schild von den Kansas-Royals (Das ist ein Baseballclub) oder auch vom ersten FC Köln (Was das ist, weiß man).


Wir sind etwas ängstlich nach Amerika gereist, weil man bei unserer letzten Reise am Zoll ziemlich unfreundlich war, das ist aber schon ziemlich lange her und war auch in Washington. Jetzt, in Atlanta, war der Zollbeamte die Liebenswürdigkeit in Person, noch schöner war es aber nach der Landung in Kansas, da stand nämlich ein kleiner Junge mit einem großen Plakat und da stand drauf: Omi und Opa herzlich willkommen in Kansas.

Jetzt wohnen wir in einem großen Palast mit unzähligen riesigen Zimmern, in denen man sich verlaufen kann. Überall gibt es Badezimmer und gemütliche Kamine, im Spülbecken in der Küche gibt es einen "food waste disposer" der schreddert die Essensreste, damit der Abfluss nicht verstopft, aus dem Kühlschrank kommen, wie von Zauberhand, klack klack die Eiswürfel gepoltert, denn alle Flüssigkeiten, die der Amerikaner aufnimmt, müssen bekanntlich eisgekühlt sein, außer tea and coffee, die werden aus Pappbechern während der Autofahrt zur Arbeit konsumiert.

Zum Palast, in dem wir wohnen, gehört eine Garage für drei Autos, das haben hier alle, weil man sich anders, zum Beispiel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bus, so gut wie nicht fortbewegen kann. In der Nähe gibt es eine Grundschule, zum morgendlichen Schulbeginn bildet sich hier einer lange Autoschlange,weil jedes Kind einzeln mit dem Auto vorgefahren wird. Einmal in der Woche soll es einen "bicy day" geben, analog zum "veggie day" von Frau Kühnast, der ist aber freiwillig.

Was die in der Nähe gelegene Landschaft angeht, müssen wir beschämt unsere Voreingenommenheit ablegen: Wir waren vor unserer Abreise gefasst auf öde Maisfelder, die bis zum Horizont reichen, stattdessen finden wir eine liebliche, leicht hügelige, sehr waldige Landschaft vor, die immer wieder von sanften Flusstälern ("creeks") durchzogen wird, dann aber auch immer wieder von schnurgeraden im rechten Winkel zueinander angelegten drei bis vierspurigen Straßen.

Jeder deutsche Benzfahrer würde ein Kribbeln im rechten Fuß verspüren, um die PS unter seiner Motorhaube auszureizen. Was ihn daran hindert, sind Polizisten auf Motorrädern, die plötzlich mit bunt blinkenden Alarmlichtern im Rückspiegel auftauchen und ihn zum Anhalten auffordern. So passierte es auch dem eingangs erwähnten, beeindruckten Opa, der gemeinsam mit Mutter und Großmutter einen unglücklich weinenden Enkel namens Niklas nach Hause transportieren wollte und dabei ein speedlimit Schild (35 mph) ignoriert hatte. Der freundliche Polizist erkannte aber die Notlage und erließ dem zerknirschten rasenden Großvater eine saftige Knolle, die durchaus bei 150 bis 250 Dollar hätte liegen können.

Ja, wir sind angetan von der freundlichen Offenheit der Amerikaner und freuen uns auf die Tage, die noch vor uns liegen, zumal nach zwei regnerischem und windigen Tagen jetzt die helle Sonne vom blauen Himmel scheint. Vielleicht später mehr an dieser Stelle.


Kommentare:

  1. Viele Grüße an Kansasgrandpa und Kansasgrandma und vielen Dank für diesen lustigen Bericht, der einem einen weiteren Blick in die Kansaswelt eröffnet hat. Grüße von der Blackforest-Auntie.

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  2. Na, das macht uns aber Lust und Mut und Neugier...Aber warum kann man sich nicht zu Fuß oder per Fahrrad fortbewegen - hügelauf und hügelab, durch den Wald? Wir werden das demnächst in der "Nachbearbeitung" in Friesland noch genauer klären. .. und später selbst ausprobieren... Bis dahin liebe Grüße dem ganzen KansasKids-Clan in aller Welt...von den anderen KansasKids-grandparents

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